03 GROSS EROBERT DIE WELT.

ÜBER GRENZEN HINAUS.

In den fünfziger Jahren galt schon eine Fahrt nach Tirol, in die Nordschweiz oder ins Elsass als kleine Sensation. Wer damals in einen Reisebus stieg, fühlte sich fast wie auf einer kleinen Weltreise. Für viele Heilbronner öffneten sich mit den Omnibusreisen von GROSS zum ersten Mal die Grenzen der Heimat – und mit ihnen ein Stück Fernweh, das schnell ansteckend wurde. 

Zunächst lockten Alpenlandschaften und die Nachbarländer, doch schon bald richtete sich der Blick weiter nach Süden. Italien mit seinen Stränden, Seen und kunstvollen Städten wurde zum Sehnsuchtsziel ganzer Reisegruppen, und auch Spanien – mit Sonne, Meer und Flamenco – wurde entdeckt. Was früher fast unerreichbar schien, lag nur noch eine Busfahrt entfernt.

#11

KULTURGENUSS.

1971 trat Renate Kühner, Ehefrau von Wolfgang Kühner, in das Unternehmen ein, nach einem Studium zur Modelldirektrice mit Kunstgeschichte an der Staatlichen Modeschule Stuttgart. Mit Energie, Herzblut und einem feinen Gespür für Themen und Zielgruppen baute sie den Bereich der Studien- und Leserreisen, der exklusiven Kreuzfahrten und Flugreisen entscheidend mit auf. Sie plante nicht nur Reisen, sie lebte sie. Als Reiseleiterin quer durch  Europa, als Begleiterin auf Kreuzfahrten über alle Weltmeere und als Organisatorin unvergesslicher Golfreisen zu den schönsten Plätzen der Welt. Renate Kühner hat die Kunst zu GROSS gebracht. 2005 entstanden daraus die beliebten „Kultur Pur“-Tagesfahrten – eine Verbindung von Reisen und Kulturgenuss, die bis heute sehr beliebt ist.

#10

LESERREISEN.

Gemeinsam mit der Heilbronner Stimme entwickelte Renate Kühner 1979 die „Tour de France“ (Seite 82/83). Sie war der Auftakt für eine Erfolgsgeschichte, die bis heute anhält: die Leserreisen. Mehr als zweihundert Mal führten seither GROSS & Stimme ihre Gäste zu den außergewöhnlichsten Zielen der Welt – stets mit einem hochwertigen Programm und unzähligen unvergesslichen Erlebnissen im Gepäck.

#11

OMNIBUS-TOURISTIK-RALLYE.

Ihr Engagement und ihre Leidenschaft wurden auch international gewürdigt: Seit 1971 gewann das Reisebüro GROSS bei renommierten Omnibus-Touristik-Wettbewerben zahlreiche Preise. Die internationalen „Omnibus-Touristik-Rallyes“ waren Großereignisse ihrer Zeit – ganze Konvois fuhren durch Länder wie Frankreich oder das damalige Jugoslawien, bewertet wurden dabei Routenführung, Organisation, das Wissen der Reiseleiter und die Fahrkunst der Buspiloten. GROSS kehrte von diesen Wettbewerben regelmäßig als einer der erfolgreichsten Teilnehmer zurück. Renate Kühner und ihre Reisegruppen brachten nicht nur Pokale mit nach Hause, sondern auch viele amüsante und abenteuerliche Geschichten, die noch lange weitererzählt wurden.

#12

WELTENBUMMLER.

Im Jubiläumsjahr geht die Reise weiter: Der aktuelle GROSS-Reisekatalog umfasst rund hundert Reisen in zwanzig Länder. Rechnet man die gefahrenen Kilometer zusammen, ergibt sich eine Strecke, die mindestens drei Mal um den Globus reichen würde.

#13

#100JAHREGROSS

Jubiläumsinterview mit Renate Kühner ...


Renate, du bist seit über 55 Jahren Reiseprofi und hast die GROSS Reisen entscheidend geprägt. Ich frage mich immer wieder, wie habt ihr denn damals Touren organisiert – ganz ohne Internet & Navigationssysteme?

„Unsere „Reise-Bibel“ waren die Michelin-Reiseführer. Da stand alles drin: Infos zu den Zielen und die passende Landkarte gleich dazu – mit der sind wir quer durch Europa gefahren. Wir haben dort Städte entdeckt und Hotels ausgesucht, entweder durch den Michelin oder durch Empfehlungen von Kollegen und Reiseleitern. Diese Reiseführer stehen übrigens heute noch in meinem Bücherregal. Vor jeder Reise entstanden dicke Ordner voller Texte zu Land und Leuten, Geschichte und Kultur. Ich habe sie ins Diktiergerät gesprochen, im Büro wurden sie abgetippt. An den dicken Ordnern hat sich bis heute nichts geändert – nur geht die Vorbereitung dank Internet etwas schneller.“

Du warst ja rund um den Globus unterwegs. Was waren deine unvergesslichsten Momente & Begegnungen?

„Ganz sicher die Omnibus-Touristik-Rallyes, die besonders aufwendig vorbereitet wurden und bei denen jeder Tag den vorherigen noch übertroffen hat. Die vielen Siegerpokale in der Weinsberger Straße zeigen, wie erfolgreich das GROSS-Team damals war. Auch die „Weltreisen“ bleiben unvergessen. Dreimal bin ich mitgeflogen – immer Richtung Westen: Los Angeles, Hawaii, mehrere Pazifikinseln, Neuseeland, Singapur – insgesamt 42.000 Kilometer. Ein besonderes Highlight war eine Reise zu den Osterinseln. Stammkunden wollten unbedingt die Moai-Statuen sehen. Wir mussten zunächst den Atlas aufschlagen, um herauszufinden, wo die Inseln genau liegen. Und ganz ehrlich: Bei solchen Reisen war es ein gutes Gefühl in Frankfurt aus dem Flugzeug zu steigen und unseren GROSS Bus vor dem Terminal zu sehen, ein Stück Heimat – da fiel die ganze Anspannung ab.“

Bei so vielen Reisen gab es sicher auch knifflige Situationen?

„Natürlich! Manchmal musste ein Gast ins Krankenhaus – in Südafrika oder auf Moorea war das wirklich aufregend. Gestohlene Pässe in Neuseeland kurz vorm Abflug – da kommt man ins Schwitzen.  Zum Glück passierte selten etwas und am Ende ging immer alles gut. Kleine Herausforderungen gab es ständig: Wenn zum Beispiel eine andere Reisegruppe unsere Lunchpakete aus dem Hotel mitgenommen hat oder vor Ort kein deutschsprachiger Guide verfügbar war und ich alles übersetzen musste. Und ohne Handy bedeutete ein dringender Anruf, ins Postamt zu marschieren – nicht ganz einfach mitten in Norwegen.“

Welche Urlaubsdestination hast du am häufigsten bereist?

„Mit Gruppen war ich am häufigsten in Südafrika – 14 Mal! Einmal habe ich in Frankfurt nur schnell den Koffer gewechselt und bin gleich mit der nächsten Gruppe weiter. Privat bin ich am meisten in den USA unterwegs gewesen.“

Ein Gast meinte einmal: Man muss dir nur hinterherlaufen und an nichts denken …

„Das stimmt – das ist ja das Schöne an einer gut organisierten Gruppenreise. Als Reiseleiter denkt man automatisch für die ganze Gruppe mit, das können meine Kolleginnen bestätigen. Aber im Hintergrund arbeitet ein tolles Team – ohne sie wären diese Erlebnisse gar nicht möglich.“

Gibt es etwas, ohne das du nie verreisen würdest?

„Ja, und das ist mein Reisetipp: Im Handgepäck habe ich immer einen Müsliriegel, Wechselwäsche und eine Stoffserviette. Damit ist man für alle Eventualitäten gerüstet.“

„Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele.“

Pablo Picasso 
( Lieblingszitat von Renate Kühner )