03 GROSS EROBERT DIE WELT.
#100JAHREGROSS

Jubiläumsinterview mit Renate Kühner ...
Renate, du bist seit über 55 Jahren Reiseprofi und hast die GROSS Reisen entscheidend geprägt. Ich frage mich immer wieder, wie habt ihr denn damals Touren organisiert – ganz ohne Internet & Navigationssysteme?
„Unsere „Reise-Bibel“ waren die Michelin-Reiseführer. Da stand alles drin: Infos zu den Zielen und die passende Landkarte gleich dazu – mit der sind wir quer durch Europa gefahren. Wir haben dort Städte entdeckt und Hotels ausgesucht, entweder durch den Michelin oder durch Empfehlungen von Kollegen und Reiseleitern. Diese Reiseführer stehen übrigens heute noch in meinem Bücherregal. Vor jeder Reise entstanden dicke Ordner voller Texte zu Land und Leuten, Geschichte und Kultur. Ich habe sie ins Diktiergerät gesprochen, im Büro wurden sie abgetippt. An den dicken Ordnern hat sich bis heute nichts geändert – nur geht die Vorbereitung dank Internet etwas schneller.“
Du warst ja rund um den Globus unterwegs. Was waren deine unvergesslichsten Momente & Begegnungen?
„Ganz sicher die Omnibus-Touristik-Rallyes, die besonders aufwendig vorbereitet wurden und bei denen jeder Tag den vorherigen noch übertroffen hat. Die vielen Siegerpokale in der Weinsberger Straße zeigen, wie erfolgreich das GROSS-Team damals war. Auch die „Weltreisen“ bleiben unvergessen. Dreimal bin ich mitgeflogen – immer Richtung Westen: Los Angeles, Hawaii, mehrere Pazifikinseln, Neuseeland, Singapur – insgesamt 42.000 Kilometer. Ein besonderes Highlight war eine Reise zu den Osterinseln. Stammkunden wollten unbedingt die Moai-Statuen sehen. Wir mussten zunächst den Atlas aufschlagen, um herauszufinden, wo die Inseln genau liegen. Und ganz ehrlich: Bei solchen Reisen war es ein gutes Gefühl in Frankfurt aus dem Flugzeug zu steigen und unseren GROSS Bus vor dem Terminal zu sehen, ein Stück Heimat – da fiel die ganze Anspannung ab.“
Bei so vielen Reisen gab es sicher auch knifflige Situationen?
„Natürlich! Manchmal musste ein Gast ins Krankenhaus – in Südafrika oder auf Moorea war das wirklich aufregend. Gestohlene Pässe in Neuseeland kurz vorm Abflug – da kommt man ins Schwitzen. Zum Glück passierte selten etwas und am Ende ging immer alles gut. Kleine Herausforderungen gab es ständig: Wenn zum Beispiel eine andere Reisegruppe unsere Lunchpakete aus dem Hotel mitgenommen hat oder vor Ort kein deutschsprachiger Guide verfügbar war und ich alles übersetzen musste. Und ohne Handy bedeutete ein dringender Anruf, ins Postamt zu marschieren – nicht ganz einfach mitten in Norwegen.“
Welche Urlaubsdestination hast du am häufigsten bereist?
„Mit Gruppen war ich am häufigsten in Südafrika – 14 Mal! Einmal habe ich in Frankfurt nur schnell den Koffer gewechselt und bin gleich mit der nächsten Gruppe weiter. Privat bin ich am meisten in den USA unterwegs gewesen.“
Ein Gast meinte einmal: Man muss dir nur hinterherlaufen und an nichts denken …
„Das stimmt – das ist ja das Schöne an einer gut organisierten Gruppenreise. Als Reiseleiter denkt man automatisch für die ganze Gruppe mit, das können meine Kolleginnen bestätigen. Aber im Hintergrund arbeitet ein tolles Team – ohne sie wären diese Erlebnisse gar nicht möglich.“
Gibt es etwas, ohne das du nie verreisen würdest?
„Ja, und das ist mein Reisetipp: Im Handgepäck habe ich immer einen Müsliriegel, Wechselwäsche und eine Stoffserviette. Damit ist man für alle Eventualitäten gerüstet.“
„Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele.“
Pablo Picasso
( Lieblingszitat von Renate Kühner )




