01 WIE ALLES BEGANN.

ERSTER REISEBUS.

Im Jahr 1926 sorgte ein ungewöhnlicher Anblick in Heilbronn für Staunen. Einer der ersten Reisebusse Deutschlands startete zu regelmäßigen Ausflugsfahrten auf den Wartberg. Aufgebaut auf einem Fiat-Fahrgestell, bot der schwarze siebzehnsitzige Cabrio-Bus von Friedrich Gross Fahrten an, die bald als kleine Sensation galten. Der damals 37-jährige gelernte Wagnermeister hatte eine neue Epoche eingeläutet.

#01

ERSTE AUSLANDSREISE.

Schon bald kamen weitere Fahrzeuge hinzu. Ende der zwanziger Jahre wagte Gross mit seinen Gästen die ersten mehrtägigen Reisen ins Ausland. Tirol, die Nordschweiz oder das Elsass waren zu jener Zeit für viele noch kaum vorstellbare Ziele. In einem Omnibus dorthin zu reisen, wirkte fast wie eine halbe Weltreise. 1928 fuhren die GROSS Busse bereits den ersten offiziellen Linienverkehr von Heilbronn nach Eberstadt. Die Fahrzeugflotte wuchs auf über 8 Fahrzeuge an - übrigens waren die ab 1928 alle weiß! In der Weinsberger Straße wurde 1932 der Firmensitz gebaut, mit Fahrzeughalle, kleiner Werkstatt und Büro, sowie der Wohnung für das Gründerehepaar Friedrich und Rosine.

#02

BOMBENNACHT.

Die Firma GROSS entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zu einem der bedeutendsten Busunternehmen in der Region. Dann kam der 4. Dezember 1944. In der verheerenden Bombennacht wurde das gesamte Betriebsgelände in der Weinsberger Straße zerstört. Damit hätte die Geschichte zu Ende sein können, den auch die von der Wehrmacht konfiszierten Busse waren verschollen. Doch Familie Gross gab nicht auf, schon im selben Monat begannen die Aufräumarbeiten. Mit selbstgebrannten Ziegeln und gegen Federbetten eingetauschten Balken baute man Schritt für Schritt Haus und Hof wieder auf. Rosine Gross fasste den Geist dieser Jahre in den Satz: „Auch diese Zeiten gehen vorbei.“

#03

NEUE HOFFNUNG.

Ein glücklicher Zufall brachte gleich nach Kriegsende neue Hoffnung. Im Ellwanger Wald stünde ein alter Bus mit dem Schriftzug GROSS. Vor Ort fand man jedoch nur noch ein Wrack: zerschossene Scheiben, fehlende Räder, leere Sitzgestelle. Was wie Schrott aussah, wurde zur Chance. Mit unermüdlicher Mühe entstand daraus wieder ein fahrbereiter Bus. Nicht perfekt, nicht komfortabel, aber er konnte Gäste befördern. Ein kleines Wunder und für das Unternehmen der Neuanfang.

#04

PIONIERGEIST.

Schon 1946 gelang es wieder einen neuen Omnibus zu kaufen, weitere Fahrzeuge folgten bald. Aus Trümmern und Improvisation wuchs erneut ein florierendes Unternehmen. So wurde aus dem Pioniergeist von Friedrich Gross und der Tatkraft seiner Familie eine Geschichte, die bis heute von Mut, Zuversicht und Unternehmertum erzählt.

#05

#100JAHREGROSS

FRIEDRICH GROSS

FIRMENGRÜNDER 

Es ist der 16. Januar 1930, sechs Uhr morgens. Auf dem Heilbronner Marktplatz steht eine kleine Schar Skifreunde. Eingemummt in Fla-nellhosen, Stiefel und Wollmützen warten sie fröstelnd in der Stille. Plötzlich nähert sich das Brummen eines Motors. Aus der Kaiserstraße biegt ein weißer Omnibus ein, die Gesichter der Wartenden hellen sich auf. Am Steuer sitzt Friedrich Gross, Fahrer und Besitzer. Das Abenteuer kann beginnen.

Über Stuttgart und Ulm rollt der Bus zum ersten Quartier nach Memmingen. Am nächsten Tag in Sonthofen noch ein letzter Tankstopp, dann beginnt der Aufstieg ins Gebirge. Haarnadelkurven, Schnee und Steigungen verlangen dem Fahrzeug alles ab. Als die Reisenden die Passhöhe bei Oberjoch erreichen, steigen sie aus und jubeln, erleichtert und voller Vorfreude.

In Tannheim erwartet sie bereits der Wirt des Gasthauses „Ritter“ mit einem Tablett Enzian-schnaps. Die anstrengende Fahrt ist geschafft, der Urlaub beginnt. Für Friedrich Gross ist die Arbeit jedoch noch nicht vorbei: Er macht den Bus winterfest, lässt Wasser ab, baut die Batterie aus und deckt den Motor für die frostige Nacht sorgfältig mit Decken zu.

Sieben Tage bleiben die Heilbronner im gastlichen Tirol. Dann geht es ohne größere Komplikationen zurück in die Heimat. Was heute selbstverständlich klingt, war damals ein mutiges Wagnis, eine abenteuerliche Skibus-Reise fast ein Jahrhundert vor unserer Zeit.

"Auch diese Zeiten gehen vorbei."

Rosine Gross